Familienbildung im Landkreis Fürth: Erster Familienstützpunkt ab 2027 geplant
24.11.2025 | Landkreis Fuerth
Bei der 18. Familienkonferenz des Landkreises Fürth am Gymnasium Stein wurde das Konzept erstmals ausführlich vor mehr als 60 Gästen präsentiert.
Prävention innerhalb der Familienbildung
Landrat Bernd Obst ging in seiner Eröffnungsrede darauf ein und verwies unter anderem auf „fragile Familiensysteme“, „hochkonflikthafte Trennungen und Scheidungen“ sowie eine „große Zunahme psychischer Erkrankungen bei Eltern, aber auch bei Kindern.“ Die Familienbildung müsse deshalb stärker präventiv wirken und Eltern frühzeitig unterstützen, so Obst.
Breite Grundlage durch Elternbefragung
Knapp 1.100 Eltern aus allen 14 Landkreisgemeinden beteiligten sich 2024 an der Bedarfserhebung. Ihre Rückmeldungen waren eine wesentliche Planungsgrundlage. Ergänzt wurde die Analyse durch eine umfangreiche Bestandsaufnahme bestehender Angebote sowie ein Experteninterview. Die Ergebnisse zeigen: Während der Landkreis über ein stabiles Grundgerüst familienunterstützender Angebote verfügt,
steigt gleichzeitig der Unterstützungsbedarf. Sichtbar wird dies etwa an der deutlichen Zunahme der Fallzahlen bei Erziehungs- und Eingliederungshilfen.
Markt der Möglichkeiten und Workshops
Im Anschluss der Präsentation bot ein Markt der Möglichkeiten den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Gelegenheit, mit Experten aus Jugendhilfe, Beratung, Schule und sozialen Einrichtungen ins Gespräch zu kommen. Dabei wurden zentrale Themen vertieft, Verbindungen gestärkt und Bedarf aus der Praxis aufgezeigt. Danach folgten Workshops, die sich mit Fragen der frühen Prävention, der Elternbegleitung und der Verknüpfung regionaler Hilfesysteme befassten. Praxisnahe Impulse für die tägliche Arbeit und Lösungsansätze zeigten, wie Familien noch besser erreicht werden können.
Familienstützpunkte als zentrale Maßnahme
Ein Schwerpunkt des Familienbildungskonzeptes ist die Einführung von Familienstützpunkten. Sie sollen niedrigschwellige Anlaufstellen für Eltern sein – wohnortnah, frühzeitig und ohne große Hürden. Vorgesehen sind Beratung, Orientierung und Unterstützung sowie die Vermittlung von weiterführenden Hilfen. Die Hauptzielgruppe sind Familien, die mit Trennungssituationen, psychischen Belastungen, sozialen Schwierigkeiten oder Sprachbarrieren zu kämpfen haben.
Erster Standort ab 2027
Auf Grundlage der fachlichen Empfehlung plant der Landkreis zunächst einen Familienstützpunkt, dessen Start für Januar 2027 vorgesehen ist. Dieser soll an eine Einrichtung der Eltern- und Familienbildung nach §16 SGB VIII in Trägerschaft der öffentlichen oder freien Jugendhilfe angegliedert werden. Nach zwei Jahren soll evaluiert werden, welche Wirkung erzielt wurde und ob ein zweiter Stützpunkt eingerichtet werden kann. Dazu sind mobile Angebote geplant, um auch Familien in kleineren Gemeinden zu erreichen.
Finanzielle Förderung durch den Freistaat
Für Konzeptentwicklung und Umsetzung erhält der Landkreis Fördermittel des Freistaats Bayern. Grundlage hierfür ist die Zahl der Geburten im Landkreis, die inzwischen bei rund 1000 pro Jahr liegt. Die Entscheidung für eine schrittweise Umsetzung berücksichtigt zudem die angespannte Haushaltslage.
Lokale Rahmenbedingungen im Blick
Das Konzept setzt sich detailliert mit der Lebensrealität im Landkreis auseinander. Betrachtet wurden unter anderem die demografische Entwicklung, Mobilitätsstrukturen, Betreuungsquoten und soziale Belastungsfaktoren sowie die starke Orientierung vieler Gemeinden nach Nürnberg oder Erlangen-Höchstadt. Die Analyse macht deutlich, dass ein zentrales Angebot nicht ausreicht. Familienbildung muß räumlich verteilt, flexibel erreichbar und passgenau gestaltet sein.
Jetzt erfolgt die offizielle Vorlage beim Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales. Parallel beginnt die Auswahl eines geeigneten Trägers und Standortes für den ersten Familienstützpunkt.
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