Seniorenpolitisches Gesamtkonzept
Mit dem Seniorenpolitischen Gesamtkonzept – SPG – sollen die bayerischen Kommunen Strukturen entwickeln, die älteren Bürgerinnen und Bürgern einen möglichst langen Verbleib in der vertrauten häuslichen Umgebung ermöglichen. Dies erfordert einen Wechsel von der traditionellen „Altenhilfepolitik“ zu einem Seniorenpolitischen Gesamtkonzept, das sowohl die Potenziale und Ressourcen als auch den Hilfe- und Unterstützungsbedarf von Seniorinnen und Senioren berücksichtigt (Quelle: Kommunale Seniorenpolitik, Veröffentlichung des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen). Der Auftrag zur Erstellung eines „Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts“ ist in Art. 69 Absatz 2 Bedarfsermittlung des AGSG (Gesetz zur Ausführung der Sozialgesetze) festgelegt:
Die Bedarfsermittlung ist Bestandteil eines integrativen, regionalen seniorenpolitischen Gesamtkonzeptes, das nach dem Grundsatz „ambulant vor stationär“ die Lebenswelt älterer Menschen mit den notwendigen Versorgungsstrukturen sowie neue Wohn- und Pflegeformen für ältere und pflegebedürftige Menschen im ambulanten Bereich umfasst.
Das Seniorenpolitische Gesamtkonzept des Landkreises Fürth ist in acht Teilberichte untergliedert:
Seniorenpolitisches Gesamtkonzept Landkreis Fürth Bestands-und Bedarfsermittlung.pdf
Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse der Bedarfsermittlung, dass im Gegensatz zu früheren Bedarfsermittlungen- zum Stichtag 31.12.2022 lediglich im Bereich der Tagespflege noch eine ausreichende Versorgung gewährleistet war. Die derzeitigen Bestandswerte im Bereich der ambulanten Pflege und der Kurzzeitpflege befinden sich bereits unter den ermittelten Mindestbedarfswerten. Für den Bereich der stationären Pflege stehen zwar - im Gegensatz zur Versorgungsregion Nord - im Süden des Landkreises rechnerisch noch ausreichend Plätze zur Verfügung, da diese aber aufgrund des Pflegefachkräftemangels nicht belegt werden können, ist die stationäre Versorgungssituation auch in dieser Region mittelfristig nicht mehr unproblematisch.
Aufgrund des zukünftig stark ansteigenden Bedarfs ist in allen untersuchten Bereichen ein Ausbau notwendig. Die größte Herausforderung der nächsten Jahre besteht aufgrund des zu erwartenden Bedarfsanstiegs darin, wieder genügend Fachkräfte für den Pflegebereich zu rekrutieren. Andernfalls wird es für die pflegebedürftigen Menschen auch im Landkreis Fürth zukünftig noch schwieriger eine adäquate pflegerische Versorgung zu erhalten.
Seniorenpolitisches Gesamtkonzept Landkreis Fürth Ergebnisse der Seniorenbefragung.pdf
Seniorinnen und Senioren leben gerne im Landkreis Fürth. Sie sind mit ihrem Lebensumfeld zufrieden. Dies zeigt die repräsentative Umfrage des MODUS-Instituts für angewandte Wirtschafts- und Sozialforschung, die im Sommer 2009 durchgeführt wurde.
Seniorenpolitisches Gesamtkonzept Landkreis Fürth Zusammenfassung Maßnahmen.pdf
Die Teilberichte 1 und 2 waren die Grundlagen zur Erarbeitung des Teilberichts 3. Um den seit 2000 vorhandenen und regelmäßig aktualisierten „Altenhilfeplan“ des Landkreises Fürth zum „Seniorenpolitischen Gesamtkonzept“ weiter zu entwickeln, wurde im Jahr 2010 im Rahmen eines Workshops der „Arbeitskreis Seniorenpolitisches Gesamtkonzept“ ins Leben gerufen. Dieser Arbeitskreis tagte insgesamt neun Mal. Begleitet wurde die Erarbeitung der fundierten Maßnahmen-Empfehlungen von MODUS – Institut für angewandte Wirtschafts- und Sozialforschung Bamberg.
Ende 2012 beschloss der Kreistag das "Seniorenpolitische Gesamtkonzept" sowie die Einrichtung eines Steuerungskreises, der die Umsetzung des Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts begleiten soll.
Seniorenpolitisches Gesamtkonzept Landkreis Fürth Evaluation.pdf
Gemeinsam mit den Landkreis-Gemeinden, den Seniorenvertretern und weiteren Akteuren der Seniorenarbeit setzt der Landkreis die Maßnahmenempfehlungen kontinuierlich um. Diese Umsetzungsarbeit hat das Institut MODUS im Jahr 2016 gemeinsam mit der Koordinationsstelle für Seniorenangelegenheiten im "Teilbericht 4 - Evaluation der Maßnahmenempfehlungen" dokumentiert. Danach wurden von den kurzfristig realisierbaren Empfehlungen 83,7 % umgesetzt, die mittel- bis langfristig terminierten Empfehlungen sind bereits zu 46,9 % umgesetzt, was nach einem Evaluationszeitraum von drei Jahren ein überaus positives Ergebnis darstellt.
Seniorenpolitisches Gesamtkonzept Landkreis Fürth Fortschreibung Handlungskonzept.pdf
Fortschreibung des Handlungsfeldes „Hilfen für gerontopsychiatrisch Erkrankte“ aus dem seniorenpolitischen Gesamtkonzept. In diesem Handlungsfeld haben sich aufgrund der Neudefinition des Pflegebedürftigkeitsbegriffes die stärksten Veränderungen ergeben.
Seniorenpolitisches Gesamtkonzept Landkreis Fürth Hilfen für pflegende Angehörige.pdf
Im Teilbericht 6 wurden nicht nur die im Landkreis vorhandenen Hilfen für pflegende Angehörige untersucht, sondern auch Analysen durchgeführt, wie z.B. die Abschätzung der Zahl der pflegenden Angehörigen im Landkreis Fürth oder die Entwicklung des familiären Pflegepotentials in den nächsten 20 Jahren.
Da die wichtigste Aufgabe der Angehörigenarbeit ist, die Pflegebereitschaft und Pflegefähigkeit der pflegenden Angehörigen zu erhalten, war u.a. zu klären, wie groß die Gruppe der pflegenden Angehörigen im Landkreis Fürth ist.
Seniorenpolitisches Gesamtkonzept Landkreis Fürth Hospitz und Palliativversorgung.pdf
Die Palliativversorgung im Landkreis Fürth wird ambulant als auch stationär geleistet.
Die Spezialisierte Ambulante Palliative Versorgung (SAPV) wird in der Region Fürth (Stadt und Landkreis) seit September 2009 durch die „Palliativ-Care Team Fürth gGmbH“ durchgeführt.
Das Palliativ-Care Team besteht neben dem Geschäftsführer aus 7 Ärzt:innen (4,25 Vollzeitäquivalente) und 7 examinierten Altenpflegerinnen bzw. Krankenschwestern (6,75 Vollzeitäquivalente), alle verfügen über eine Zusatzausbildung zur „Palliativ-Care Fachkraft“.
In den ersten 5 Jahren haben sich die Fallzahlen von 118 ambulanten Palliativpatientinnen und Patienten im Jahr 2009 bis zum Jahr 2014 auf 374 Personen mehr als verdreifacht. Danach fand eine weitere Erhöhung der Fallzahlen statt. Seit drei Jahren liegen die Fallzahlen relativ konstant knapp unter 500.
Die Palliativ-Care Team gGmbH geht davon aus, dass in der Region Fürth eine Sättigung im Bereich der SAPV erreicht ist. Seit 2002 setzt sich der Hospizverein für eine stationäre Einrichtung ein.
Durch eine Bedarfsermittlung ergab sich alleine für den Landkreis ein aktueller Bedarf von mind. 5 bis max. 8 Hospizplätzen. Aufgrund der Entwicklung der Sterbezahlen ist davon auszugehen, dass der Bedarf an stationären Hospizplätzen mittel- bis langfristig deutlich ansteigen wird. Der Bedarf im Landkreis Fürth wird bis zum Jahr 2040 auf mindestens 8 bis 12 Hospizplätze ansteigen.
Somit wäre mittel- bis langfristig alleine für den Landkreis eine eigene stationäre Hospizeinrichtung als bedarfsgerecht anzusehen.
Von der Verwaltung wurden aus den Maßnahmen-Empfehlungen die "Leitsätze für die Seniorenpolitik im Landkreis Fürth" entwickelt und dem Steuerungskreis in seiner 1. Sitzung vorgestellt. Nach Zustimmung des Steuerungskreises wurden die "Leitsätze für die Seniorenpolitik im Landkreis Fürth" in Form einer Broschüre veröffentlicht. Leitsätze für die Seniorenpolitik im Landkreis Fürth.pdf
Wohnen zu Hause bis ins hohe Alter entspricht dem Wunsch der Senioren.
Um dies dauerhaft sicherzustellen, ist auch im Landkreis Fürth noch ein deutlicher Verbesserungsbedarf zu erkennen.
Bei der ersten Seniorenbefragung 2009 wurde festgestellt, dass rund 82% der älteren Bevölkerung über Wohneigentum verfügen.
2011 hat der Landkreis Fürth ein Projekt zur Gewinnung ehrenamtlicher Wohnraumberater ins Leben gerufen.
Jedoch ist nicht nur die Wohnraumanpassung relevant, sondern auch die Verfügbarkeit von seniorengerechtem Wohnraum.
Eine seniorengerechte Wohnung alleine sichert jedoch nicht das Verbleiben in den eigenen vier Wänden.
Neben den ambulanten Pflegediensten, sind mit zunehmendem Alter ebenfalls einige ambulante Hilfen notwendig.
Von Bedeutung sind ambulante Hilfsdienste, die die „hauswirtschaftliche Versorgung“ sichern, aber auch Mahlzeitendienste („Essen auf Rädern“).
In beiden Bereichen hat in den letzten 14 Jahren ein massiver Ausbau stattgefunden. Die Zahl der hauswirtschaftlichen Hilfsdienste ist von 16 Anbietern im Jahr 2010 auf 31 Dienste angestiegen.
Die Zahl der hilfebedürftigen Menschen ab 65 Jahren im Landkreis Fürth hat sich in den letzten 14 Jahren erheblich erhöht, von 558 auf 2.068 Personen.
Der Anteil der Senioren ab 65 Jahren, die hauswirtschaftliche Hilfeleistungen erhalten hat sich seit 2010 von 2,4% auf 7,3% erhöht.
Im Bereich mobile Mahlzeitendienste (Essen auf Rädern) hat sich die Zahl der Anbieter seit 2010 nur geringfügig erhöht,
aber das Angebot wurde sowohl bzgl. der Kundenzahl als auch der ausgelieferten Essensportionen erheblich ausgeweitet.
Aktuell werden pro Monat durchschnittlich 14.600 warme Mahlzeiten verteilt. Zusätzlich pro Monat 70 Tiefkülkostlieferungen.
Insgesamt werden durchschnittlich 841 Personen ab 65 Jahren mit „Essen auf Rädern“ versorgt.
Somit greifen mindestens 3% der über 65-jährigen Senioren auf das Angebot zurück.