„Zeitenwende” bei den Kommunalfinanzen: Haushalt stellt Weichen für herausfordernde Zukunft
20.12.2024 | Landkreis Fuerth
Unter dem Motto „Zeitenwende – auch bei den Kommunalfinanzen“ setzt der Landkreis deshalb auf eine klare Priorisierung von Investitionen und Einsparungen, um die finanzielle Balance zu wahren, wie Landrat Bernd Obst betont.
Strukturelle Probleme in der kommunalen Finanzierung
Die Finanzlage auf kommunaler Ebene ist angespannt: Bezirke, Landkreise und Kommunen sehen sich durch wachsende Deckungslücken und steigende Umlagen unter Druck gesetzt. Zwar hat der Finanzausgleich vom 4. November 2024 zu einer Erhöhung der Zuweisungen für die Bezirke und einer Erhöhung der Schlüsselzuweisungen geführt, diese reicht nach den Worten des Landrats jedoch nicht aus, um die Finanzierungsprobleme vollständig zu lösen.
Die daraus resultierenden Hebesatzerhöhungen bei den bayerischen Bezirken (zwischen 1,6 und 4,0 Hebesatzpunkten) wirken sich auch auf die Kreisumlagen aus. In Mittelfranken liegt die Bandbreite der Anstiege der Kreisumlage zwischen 3,5 und 5,0 Hebesatzpunkten.
Umlagekraft des Landkreises Fürth überdurchschnittlich gestiegen
Mit einer Steigerung der Umlagekraft um 5,4 % liegt der Landkreis Fürth immerhin deutlich über dem Durchschnitt der mittelfränkischen (+0,4 %) und bayerischen Landkreise (+0,3 %) sowie der bayerischen Kommunen (+1,4 %). Dies sorgt zwar für höhere Einnahmen aus der Kreisumlage, führt aber zugleich zu höheren Belastungen durch die Bezirksumlage sowie zu geringeren Schlüsselzuweisungen.
Die finale Höhe der Schlüsselzuweisungen wurde am 5. Dezember bekanntgegeben. Aufgrund der Umlagekraftsteigerung kommt es nur zu einer marginalen Erhöhung der Schlüsselzuweisungen um rund 27.500 Euro gegenüber dem Vorjahr. Nach Beschlussfassung im Bezirkstag steigt die Bezirksumlage um 2,37 %-Punkte an, was für den Landkreis zusätzliche Ausgaben in Höhe von rund 6 Mio. Euro bedeutet.
Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Verwaltung
Trotz der angespannten Finanzlage muss der Landkreis Fürth 2025 aufgrund der steigenden Schülerzahlen und der Raumnot an den Landkreisschulen wichtige Investitionsschwerpunkte setzen:
- Sanierung Gymnasium Langenzenn inkl. Halle: Ansatz von 3,0 Mio. €
(Gesamtkosten: 52 Mio. €, abzüglich Förderung). - Neubau Gymnasium Cadolzburg inkl. Turnhalle: Ansatz von 4,0 Mio. €
(Gesamtkosten: 88 Mio. €, abzüglich Förderung). - Vorläuferschule Gymnasium in der Schwadermühle: Ansatz von 1,0 Mio. €
(Gesamtkosten: 13,5 Mio. €)
(hierbei handelt es sich um eine Interimsschule in Modulbauweise, die ab dem Jahr 2028 bis zur Fertigstellung des Schulgebäudes im Jahr 2032 für die künftigen Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums bereitgestellt werden muss) - Interimsgebäude Dillenbergschule Cadolzburg: Ansatz von 2,3 Mio. €
(Gesamtkosten: 5,1 Mio. €).
(Kauf von Raummodulen zur Erweiterung der Anzahl an benötigten Klassenräumen)
Neben den Investitionen im schulischen Bereich müssen auch die Investitionen im Verwaltungsbereich fortgesetzt werden:
- Erweiterungsbau Landratsamt – Wiederinbetriebnahme Bauteil IV, Fertigstellung Bürgerservice und Wiederherstellung Außenanlagen: Ansatz von 2,5 Mio. €
(Gesamtkosten: 23,5 Mio. €)
(Erweiterungsbaumaßnahme wurde mit Beschluss vom März 2024 gestoppt, hierdurch reduzieren sich die Gesamtkosten von bisher 36,5 auf nun 23,5 Millionen Euro) - Umbau Pinderpark 5-7: Ansatz von 1,9 Mio. €
(Gesamtkosten: 13 Mio. €).
(Statt Erweiterungsbau wurde benachbartes Gebäude gekauft, das nun bis Ende 2027 zu einem Verwaltungsgebäude umgebaut werden wird)
Zudem sind im Tiefbau für die Jahre 2025 bis 2028 rund 2,4 Mio. € vorgesehen, mit einer Nettobelastung für den Landkreis von 1,6 Mio. €.
Steigende Personalkosten und Defizite
Die Personalkosten steigen 2025 um rund 3,5 Mio. Euro, bedingt durch Tariferhöhungen und neue Stellen. Die Stellenneuschaffungen 2025 konnten dabei durch die Sparkommission noch um rund 12 Stellen reduziert werden und enthält auch ausschließlich die Stellen, die zwingend erforderlich sind, um gesetzliche Anforderungen erfüllen zu können und nicht Gefahr zu laufen, Untätigkeitsklagen zu erhalten.
Auch das Defizit beim Jugendamt erhöht sich durch den Anstieg der Fallzahlen bei vielen Leistungen um 17,1 % auf rund 3,4 Mio. Euro.
Erhöhung der Kreisumlage
Bedingt durch die Erhöhung der Bezirksumlage und gestiegener eigenen Aufwendungen, insbesondere im Bereich der Personal- und Sozialkosten, muss der Landkreis erneut seinen Hebesatz erhöhen. Der Hebesatz steigt um 3,95 %-Punkte auf dann 49,45 %-Punkte (hiervon Anteil bedingt durch Bezirksumlage 1,25 %-Punkte, Anteil für eigene Mehraufwendungen 2,7 %-Punkte). Die Deckungslücke im Kreishaushalt lag sogar noch höher, konnte jedoch durch die Einsparungen der Sparkommission (0,73 %-Punkte) und weiterer Einsparungen der Verwaltung auf die nun vorgesehene Erhöhung reduziert werden.
Schulden und Darlehensaufnahmen
Der Schuldenstand des Landkreises wird bis Ende 2024 voraussichtlich 19,8 Mio. Euro betragen und aufgrund der oben genannten notwendigen Investitionen vor allem im Bildungsbereich bis 2028 auf über 100 Mio. Euro anwachsen. Darlehensaufnahmen sind für die Jahre 2025 (16,8 Mio. €), 2026 (27,1 Mio. €), 2027 (17,1 Mio. €) und 2028 (26,0 Mio. €) vorgesehen.
Haushalt 2025: Zeitplan
Die Eckdaten des Haushalts wurden in der Kreistagssitzung am 16. Dezember 2024 vorgestellt. Nach Beratungen im Kreisausschuss am 20. Januar 2025 soll der Haushalt in der Kreistagssitzung am 3. Februar 2025 verabschiedet werden.
Landrat Bernd Obst fasst zusammen: „Trotz des massiven strukturellen Problems bei der Finanzausstattung der Kommunen, ist dem Landkreis sowohl die Versorgung seiner Bürgerinnen und Bürger vor allem im schulischen und sozialen Bereich, als auch die finanzielle Situation der kreisangehörigen Kommunen sehr bewusst. Mit dem Haushalt 2025 schafft es der Landkreis Fürth, diesen Spagat bestmöglich bewältigen zu können und setzt für seine eigenen Aufgaben dabei nur das absolute Mindestmaß an.“
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