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Jugend- und Sozial-Leistungen des Landratsamtes

Soziale Verantwortung hat ihren Preis und ihren Sinn

Im Foyer des Landratsamtes in Zirndorf fand eine Informationsveranstaltung zum Jugend- und Sozialetat des Landkreises Fürth statt. Landrat Bernd Obst und Vertreterinnen und Vertreter der Verwaltung gaben Einblicke in die vielfältigen Aufgaben des Landkreises im sozialen Bereich – und welche finanziellen Mittel dafür notwendig sind. Eingeladen waren Stadt- und Gemeinderäte sowie Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus dem Landkreis. Im Interview spricht Landrat Bernd Obst über Herausforderungen, Kosten und die Verantwortung gegenüber den Menschen in der Region.

Herr Obst, warum war Ihnen diese Informationsveranstaltung so wichtig? 

Weil der Jugend- und Sozialetat ein bedeutender Teil unseres Haushalts und auch gesellschaftlich sehr wichtig ist. Soziale Verantwortung hat ihren Preis – und ihren Sinn. Viele wissen gar nicht, wie breit das Aufgabenspektrum ist und wie tief die Verantwortung des Landkreises im sozialen Bereich reicht. Wir wollten den Mandatsträgerinnen und Mandatsträgern deshalb transparent zeigen, welche Leistungen wir erbringen, für wen das wie viel kostet.

Können Sie ein konkretes Beispiel für diese Leistungen nennen? 

Allein im Bereich der Hilfen zur Erziehung und zur Förderung in der Familie haben wir von März 2024 bis März 2025 rund 18,76 Millionen Euro eingesetzt. Das reicht von sozialpädagogischer Familienhilfe über stationäre Unterbringungen bis hin zur Schulbegleitung. Diese Hilfen greifen dort, wo Kinder und Jugendliche ohne Unterstützung keine Chance hätten.

Was sind aktuell die größten Herausforderungen im Jugendhilfebereich? 

Wir stehen vor einer zunehmenden Komplexität der Fälle. Oft fehlen Therapieplätze oder geeignete Unterbringungsmöglichkeiten. Gleichzeitig haben wir in nahezu allen Bereichen mit einem akuten Fachkräftemangel und zu knappen Kapazitäten für Hilfsangebote zu kämpfen. Das führt zu hohen Belastungen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – und zu steigenden Kosten. Bei manchen Hilfen muss das Jugendamt bundesweit nach geeigneten Plätzen suchen. Das ist dann die berühmte Nadel im Heuhaufen.

Wie sieht es bei anderen Sozialleistungen aus, zum Beispiel im Bereich der Grundsicherung? 

Auch hier trägt der Landkreis erhebliche Verantwortung. Im Bereich des SGB XII – also der Hilfe zum Lebensunterhalt und der Grundsicherung bei Erwerbsminderung – finanzieren wir große Teile der Leistungen vollständig aus eigenen Mitteln. Dazu kommt die Betreuung von Asylbewerbern, das Wohngeld, Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket und vieles mehr. Das summiert sich zu einem bedeutenden Anteil unseres Haushalts. 

Und das Jobcenter? 

Das Jobcenter ist eine gemeinsame Einrichtung mit der Bundesagentur für Arbeit. Auch hier trägt der Landkreis Verantwortung, etwa bei den Kosten für Unterkunft und Heizung. In 2024 lag unser Haushaltsanteil allein hier bei rund 2,4 Millionen Euro – trotz Bundeserstattung. Die Arbeit des Jobcenters ist unverzichtbar: Es geht um Integration in Arbeit, um Existenzsicherung, um Perspektiven.

Ein weiterer Bereich ist die Betreuungsbehörde und Heimaufsicht – was steckt dahinter? 

Hier geht es um Menschen, die ihre Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln können – sei es altersbedingt, durch Krankheit oder Behinderung. Unsere Betreuungsbehörde leistet hier wertvolle Ermittlungs- und Unterstützungsarbeit. Die Heimaufsicht wiederum sorgt für die Qualität und Sicherheit in Pflegeeinrichtungen. Auch das ist ein wichtiger Pfeiler unserer sozialen Infrastruktur. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stoßen dabei teilweise auf extreme Lebenssituationen – wie verwahrloste Menschen oder Wohnungen mit Waffen. Das alles muss auch menschlich verarbeitet werden. Oft ist Polizeischutz bei diesen Einsätzen notwendig.

Noch einmal zurück zum Thema Geld: Wie lässt sich all das künftig finanzieren? 

Wir arbeiten intensiv an Kostenkontrolle und Effizienz – ohne dabei die Menschen aus dem Blick zu verlieren. Im Jugendamt laufen zum Beispiel zwei Pilotprojekte, von denen wir uns bei gleicher oder sogar besserer Leistung Einsparungen im sechsstelligen Bereich versprechen. Wir nutzen die Spielräume so gut es geht, müssen aber immer wieder gesetzliche Rahmenbedingungen und Standards einfordern, die realistisch umsetzbar sind. Und wir brauchen Unterstützung von Land, Bund und Gesellschaft, um diese Aufgaben auch in Zukunft stemmen zu können. 

Abschließend: Was ist Ihr Fazit aus den Informationen, die bei der Veranstaltung dargestellt wurden? 

Dass soziale Verantwortung zwar teuer ist, aber unbedingt notwendig. Hinter jedem Euro für Soziales und Jugend steht ein Mensch mit einem Schicksal. Unsere Aufgabe ist es, diese Menschen zu unterstützen und ganz besonders jungen Menschen Chancen zu bieten, die sie sonst aus vielfältigen Gründen nicht hätten. Dafür brauchen wir Verständnis, Rückhalt – und den Mut, gemeinsam Verantwortung zu tragen.

Herr Obst, vielen Dank.