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600 Jahre Feldgeschworene in Langenzenn: Hüter des „Siebener-Geheimnisses“

01.06.2026  |  Landkreis Fuerth

Für manche ist es nur ein Stein am Wegrand oder auf dem Feld. Irgendwo im Nirgendwo, als schlichte Markierung. Doch dieser Stein steht für Zuverlässigkeit, Vertrauen und eine Ordnung, die in Bayern seit Jahrhunderten Bestand hat. Wo Eigentum und Nutzung aufeinandertreffen, da regelt ein Stein den Frieden.

): (v.l.n.r.) Frau Marlen Laurien, erste Bürgermeisterin Ammerndorf, Dietmar Helm, dritter Bürgermeister Stadt Fürth, Frau Petra Guttenberger, Landtagsabgeordnete, Landrat Bernd Obst, Wolfgang Neukirchner, Behördenleiter Amt für ländliche Entwicklung, Herr Martin Schöffel Staatssekretär im Staatsministerium der Finanzen und für Heimat, Hans Satzinger, 1. Vorsitzender der Feldgeschworenenvereinigung Landkreis und Stadt Fürth, Christian Ell, erster Bürgermeister Langenzenn, Steinmetz Kai Vogel, Frau Gabi Schmidt, Landtagsabgeordnete, Werner Stieglitz, Landtagsabgeordneter und Harry Scheuenstuhl, Landtagsabgeordneter

(v.l.n.r.) Frau Marlen Laurien, erste Bürgermeisterin Ammerndorf, Dietmar Helm, dritter Bürgermeister Stadt Fürth, Frau Petra Guttenberger, Landtagsabgeordnete, Landrat Bernd Obst, Wolfgang Neukirchner, Behördenleiter Amt für ländliche Entwicklung, Herr Martin Schöffel Staatssekretär im Staatsministerium der Finanzen und für Heimat, Hans Satzinger, 1. Vorsitzender der Feldgeschworenenvereinigung Landkreis und Stadt Fürth, Christian Ell, erster Bürgermeister Langenzenn, Steinmetz Kai Vogel, Frau Gabi Schmidt, Landtagsabgeordnete, Werner Stieglitz, Landtagsabgeordneter und Harry Scheuenstuhl, Landtagsabgeordneter

Der über zwei Meter hohe Granitstein, gestiftet vom ortsansässigen Bestattungsinstitut Oliver Vogel und dessen Sohn Steinmetz Kai Vogel

Der über zwei Meter hohe Granitstein, gestiftet vom ortsansässigen Bestattungsinstitut Oliver Vogel und dessen Sohn Steinmetz Kai Vogel

Doppeljubiläum in Langenzenn 
Am 23.5.2026 – direkt am Tag des Ehrenamtes – war es so weit: Langenzenn feierte ein stolzes Doppeljubiläum: 600 Jahre Feldgeschworene in der Zennstadt und das zehnjährige Jubiläum der Eintragung in das UNESCO-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes. Mehrere Hundert Feldgeschworene aus ganz Mittelfranken, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Vertreter aus Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik sowie aktive und ehemalige Siebener folgten der Einladung in den Ortsteil Horbach.

Ältestes kommunales Ehrenamt in Bayern 
Das Feldgeschworenenwesen gilt als das älteste kommunale Ehrenamt Bayerns. In Franken meist liebevoll „Siebener“ genannt – da in der Regel sieben von ihnen in einer Gemarkung tätig sind –, wachen sie über die Einhaltung von Grundstücksgrenzen. Sie wirken bei deren rechtswirksamer, dauerhafter Kennzeichnung mit und unterstützen die Vermessungsbehörden, die in Bayern 1801 eingeführt wurden. Seit 2016 gehört das Feldgeschworenenwesen zum Immateriellen Kulturerbe der UNESCO Deutschland. In Langenzenn reicht diese Tradition besonders weit zurück: Erste Dokumente belegen die Existenz der Siebener hier bereits für das Jahr 1426.

Festtag für das Kulturerbe 
In einer festlich herausgeputzten Maschinenhalle, direkt neben dem Siebenercafé fand der Festakt statt. Zur Würdigung des historischen Ereignisses wurde im Laufe der Veranstaltung ein Gedenkstein feierlich enthüllt. Unter den Gästen waren Schirmherr Heimat- und Finanzstaatssekretär Martin Schöffel (MdL) sowie Landrat Bernd Obst, während Nina Dederichs vom deutschen UNESCO-Kulturerbebüro beste Grüße per Videobotschaft übermittelte. Für die breite Öffentlichkeit gab es am Nachmittag eine historische Ausstellung, Informationsstände der Vermessungsämter Nürnberg und Neustadt/Aisch und der Siebener, Führungen am Freilichtmuseum Siebenerplatz, Filmvorführungen des 10-minütigen Films „Hüter der Grenzen“, Kutschfahrten und ein buntes Kinderprogramm rundeten den Festtag ab.

Das Geheimnis vom Stein  
In Bayern gibt es rund 27.000 Feldgeschworene, fast 60 % davon in Franken. In der Stadt und im Landkreis Fürth gibt es circa 292 aktive Siebener, davon acht Frauen. Sie tragen eine gewaltige Verantwortung, denn allein in diesem Gebiet gibt es rund 640.000 Grenzpunkte. „Und Sie kennen sie alle“, lobte Schirmherr Martin Schöffel. Bei Grenzstreitigkeiten entscheiden die Siebener mithilfe ihres jahrhundertealten „Siebenergeheimnis“ über den exakten Standort eines Steins. Um die Markierungen zu prüfen, steht regelmäßig der traditionelle „Grenzgang“ an, bei dem der Grenzverlauf – oft in Begleitung von Gemeindevertretern – abgeschritten wird. „Beitrag für Grenzfrieden“ Eröffnet wurde die Festveranstaltung mit einem Gottesdienst mit der evangelischen Dekanin Kathrin Klinger und dem katholischen Dekan André Hermany. Sie würdigten die Siebener als „Hüter der Grenzen“ und betonte deren unschätzbaren „Beitrag für den Grenzfrieden vor Ort und das nachbarschaftliche Miteinander“. 1. Vorsitzender 
der Feldgeschworenenvereinigung Landkreis und Stadt Fürth Hans Satzinger ergänzte, dass die Siebenerinnen und Siebener diese Aufgabe meist „im Stillen“, aber mit maximaler Verlässlichkeit übernehmen: „Sie kennen die Heimat wie kaum jemand sonst.“

„Bereits vor der Entdeckung Amerikas“ 
„Es gab das Amt der Feldgeschworenen bereits, da war Amerika noch nicht einmal entdeckt“, spannte Staatssekretär Martin Schöffel den historischen Bogen. Trotz aller Veränderungen über die Jahrhunderte betonte er: „Es sähe in Bayern anders aus, gäbe es dieses Ehrenamt nicht.“ Auch Landrat Bernd Obst zollte der Versammlung tiefen Respekt: „Wer Grenzen sichtbar macht, sorgt dafür, Streit zu vermeiden. Wir brauchen Grenzen für ein ordnungsgemäßes Zusammenleben. Die Siebener genießen das Vertrauen der Menschen.“ Die Veranstaltung zeige eindrucksvoll, wie viel Herzblut in dieser Aufgabe stecke.

Gut aufgestellt für die Zukunft 
Für Fürths Dritten Bürgermeister Dietmar Helm zeigt sich die Stärke der Siebener nicht nur in der 600-jährigen Tradition, sondern auch in ihrer Zukunftsfähigkeit. Denn die Tradition ist längst keine Männerdomäne mehr: Inzwischen gibt es auch Siebenerinnen. Dass das Siebenerwesen heute als UNESCO-Kulturerbe anerkannt ist, ist maßgeblich dem Einsatz von Jutta Massl aus Großhabersdorf und Obmann Hans Satzinger zu verdanken. Gemeinsam mit Heidi Stinzendörfer und Madeleine Espach wurde sie für ihr herausragendes Engagement und die Organisation des Festes geehrt. Enthüllung des Gedenksteins 
Zum krönenden Abschluss wurde draußen auf dem Siebener-Platz der neue Gedenkstein enthüllt. Der über zwei Meter hohe Granitstein, gestiftet vom ortsansässigen Bestattungsinstitut Oliver Vogel und dessen Sohn Steinmetz Kai Vogel, steht nun als bleibendes Symbol neben weiteren historischen Steinzeugen vergangener Jahrhunderte. Mit großer handwerklicher Präzision und viel Liebe zum Detail meißelte Kai Vogel zudem die erste Strophe des Siebenerliedes kunstvoll in den Stein – ein eindrucksvolles Werk, das Tradition und Erinnerung auf besondere Weise sichtbar macht. 

Weitere Infos und Fotos: www.siebener-bayern.de