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„Ned mit mir“ Betrugsprävention trifft Kabarett

07.05.2026  |  News Kategorien

Allein in Mittelfranken belief sich der Schaden durch Trickbetrug im vergangenen Jahr auf rund 5,4 Millionen Euro. „Und das ist nur das Hellfeld“, betont Kriminalhauptkommissar Michael Sporrer. Die Dunkelziffer sei weitaus größer; man schätze das Verhältnis auf etwa 1:9 bis 1:10.

Eine Person steht auf der Bühne. Davor sitzt ein älteres Publikum

Das Präventionskabarett „Ned mit mir!“ sorgte für eine fast vollbesetzte Eichwaldhalle in Puschendorf.

Drei Personen stehen auf der Bühne

v.l.n.r. Kabarettist Tom Bauer, Puschendorfs dritter Bürgermeister Klaus Fleischmann und Kriminalhauptkommissar Michael Sporrer Fotos: Roland Heinrich

Hohe Resonanz 
Um diesen Machenschaften den Riegel vorzuschieben, setzt die Polizei auf ein ungewöhnliches Format: Unter dem Titel „Ned mit mir“ leisten Sporrer und der niederbayerische Kabarettist Tom Bauer im Landkreis zum zweiten Mal ein kostenloses Präventionskabarett. Nach dem Erfolg im Vorjahr in Seukendorf gastierte das Duo Ende April in der voll besetzten Puschendorfer Eichwaldhalle. Unter der Schirmherrschaft von Landrat Bernd Obst und mit Unterstützung der Sparkasse Fürth wurde die Veranstaltung auf Initiative von Therese Gabler (Arbeitsgemeinschaft Senioren) realisiert.

Schockanrufe, Enkeltrick und Lottogewinne 
Die Kulisse ist minimalistisch: Telefon, Bistrotisch, Akkordeon. Mehr braucht es nicht, um die perfiden Maschen der Betrüger greifbar zu machen. Ob Schockanrufe wegen angeblicher Einbrüche, der klassische Enkeltrick oder vermeintliche Lottogewinne, die eine Vorauszahlung fordern – die Szenen sind aus dem Leben gegriffen. Besonders absurd, aber dennoch erfolgreich: Die Masche mit dem „verfluchten“ Geld, das durch 
Handauflegen „gereinigt“ werden müsse.

Von Heiterkeit zu betroffener Stille 
In dem rund 75-minütigen Programm wechselt die Stimmung schnell von Heiterkeit zu betroffener Stille. Viele im Saal erkennen sich oder Bekannte in den Schilderungen wieder. Michael Sporrer findet dazu klare Worte: „Haben Sie kein schlechtes Gewissen. Legen Sie auf oder schmeißen Sie die Leute raus! Die haben in Ihren vier Wänden nichts verloren.“ Er warnt davor, sich von Titeln wie Polizist oder Anwalt einschüchtern zu lassen: „Glauben Sie nichts. Gegen diese Methoden haben Sie ohne gesundes Misstrauen keine Chance.“  

„Betrugsindustrie“ im fernen Osten 
Hinter den Anrufen steckt laut Sporrer eine regelrechte „Betrugsindustrie“ mit Sitz in Asien. In Ländern wie Myanmar würden in industrieähnlichen Anlagen „moderne Sklaven“ darauf trainiert, Menschen am Telefon in perfektem Deutsch zu täuschen. Die Kuriere vor Ort, die das Geld abholen, seien oft nur kleine Lichter, die für wenig Lohn viel riskieren. Sporrer stellt klar: „Die Polizei macht so etwas nicht. Wir haben gar keinen Platz, um Ihre Wertgegenstände ‚sicher‘ zu verwahren.“

Sinnvolle Investition 
Landrat Bernd Obst dankte der Gemeinde Puschendorf und der Sparkasse Fürth für ihr Engagement. „Das Geld für diese Art von Veranstaltung ist hier in der Region gut aufgehoben. Es sensibilisiert für Gefahren, auf die wir besser achtgeben müssen“, so Obst. Auch der dritte Bürgermeister Klaus Fleischmann fungierte auf der Bühne als „Opfer“, dessen Geld vom vermeintlichen Bann befreit werden musste.

Herzensangelegenheit für Bauer 
Für Kabarettist Tom Bauer ist das Programm eine Herzensangelegenheit: „Prävention kann auch Spaß machen. Ich bin überzeugt, dass wir mit Humor und Musik eine wichtige Botschaft verbreiten können.“ Der Appell des Abends war eindeutig: 

  •  „Seien Sie nicht zu höflich.“
  • „Schalten Sie den gesunden Menschenverstand ein.“
  • Und vor allem: „Schämen Sie sich nicht, falls Sie doch einmal darauf 
    hereinfallen.“ 

„Getäuscht zu werden hat nichts mit mangelnder Bildung zu tun“, resümierte Sporrer. Wichtig sei es, den Vorfall zu melden, um den Betrügern das Handwerk zu legen. Aufgrund der hohen Nachfrage, steht bereits ein neuer Termin für 2027 fest: 19.03.2027 in der Paul-Metz-Halle in Zirndorf.  

Der Eintritt zur Veranstaltung war kostenlos – für eine freiwillige Spende stand eine Box für die Landkreisstiftung bereit. Nach dem Abend kamen insgesamt 700 Euro zusammen. Ein „Herzliches Dankeschön“ allen Spenderinnen und Spendern.

Kontakt:  
Seniorenbeauftragte Tanja Maier  
E-Mail:
Telefon: 0911 9773-1226